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Bionisch:
Adjektiv zur Beschreibung eines Organismus, dessen biologische Grundlage
durch technische Möglichkeiten verbessert wurde
Bionisch heisst: in
Einklang mit natürlichen Methoden
Biologie + Technik =
Bionik
Dabei beschreibt der aus den Wörtern Biologie und Technik
gebildete Fachausdruck Bionik die technische Umsetzung und Anwendung
biologischer Systeme
Wie lernt der Mensch von der Natur? (von
John Mayer)
Ist es möglich, Baupläne der Natur zu kopieren? Wie
können wir dabei von der Natur lernen? Diese und andere spannende Fragen
versucht eine Forschungsrichtung der Biologie zu beantworten: die Bionik.
Von der Natur zu lernen bedeutet, Wissen von den
Konstruktionen und Verfahrensweisen der Natur auf die Technik zu
übertragen. Dabei liegt hier die Idee zugrunde, dass die Evolution der
beste Baumeister ist, da die Natur viele Jahrtausende Zeit hatte, evolutiv
an den Bauplänen zu "feilen" und diese zu optimieren.
Die Bionik
(zusammengesetzt aus BIOlogie und TechNIK) ist im Grunde eine alte
Wissenschaftsrichtung. Schon Leonardo da Vinci versuchte im 15.
Jahrhundert, seine Flugmaschinen den Vogelschwingen nachzubauen - wie wir
wissen, noch ohne Erfolg. Doch die Verfeinerung der analytischen Methoden
und die Spezialisierung der Wissenschaft lassen zu, dass Forscher immer
spektakulärere Entdeckungen machen. Dabei ist die Natur der
Ideenlieferant, und die Ingenieure versuchen, diese möglichst gut zu
imitieren oder gar zu verbessern.
Dabei sind es oft auch
Alltagsgegenstände, die aufgrund der Vorbildfunktion der Natur entwickelt
wurden und die wir nicht mehr missen wollen, wie etwa der Klettverschluss,
der nach dem Vorbild der Klette entwickelt wurde. Manchmal waren die
Forscher verblüfft, welche einfachen Strukturen zu solch erstaunlichen
Ergebnissen führten, dass sie ihre Ergebnisse erst gar nicht großartig
veröffentlichten.
Der unter dem Lotus-Effekt bekannt gewordene
Zusammenhang zwischen der Oberflächenstruktur von Blättern und deren
perlartiger und schmutzabweisender Wirkung auf Substanzen ist schon 1977
vom Botaniker Wilhelm Barthlott und seiner Kollegin Nesta Ehler entdeckt
worden. Aber sie gingen davon aus, dass ihre Physiker-Kollegen
beziehungsweise die Verfahrenstechniker solche trivialen Ergebnisse schon
kennen würden. Inzwischen sind die Forschungen fortgeschritten und der
federführende Biologe Barthlott ist mit Partnern aus der Industrie kurz
vor der Markteinführung "selbstreinigender" Produkte: "In bestimmten
Bereichen stehen Entwicklungen kurz vor der Anwendung, in welchen, darf
ich noch nicht sagen".
Obwohl es manchmal die einfachsten
Vorbildfunktionen sind, die in der Natur vorherrschen, ist es bis zu deren
technischer Umsetzung ein weiter Weg. Dazu äußert sich der international
renommierte Saarbrücker Zoologe und Bioniker Prof. Dr. Werner Nachtigall
von der Universität des Saarlandes auf der Homepage der Gesellschaft für
Technische Biologie und Bionik (TBB): "Eine bloße Kopie der Natur führt in
eine Sackgasse".
Vielmehr seien es die Fülle der Anregungen, die
man übernehmen könne, die dann auf ihre Übertragungsmöglichkeiten
untersucht werden müssten. Diese wiederum könnten entscheidende Impulse
für technisches Gestalten geben. Er bringt das Wesentliche der bionischen
Sichtweise so zum Ausdruck: "Lernen von der Natur als Anregung für
eigenständiges technisches Gestalten".
Dabei gibt es eine
Vielzahl von biologischen Fragestellungen, die kombiniert mit der
technisch-physikalischen Analyse zu interessanten Ergebnissen
führen:
• Ein gutes Beispiel ist die Nase des Delfins. Sie ist an
der Spitze rund geformt und schiebt deshalb beim Schwimmen unter Wasser
die Wellen vor sich her. Der Widerstand wird dadurch deutlich verringert.
Nach diesem Vorbild werden seit Anfang der 60er Jahre Rümpfe von Schiffen
gebaut, die deshalb weniger Kraftstoff brauchen. • Auch die
Haut des Hais stand bei einer Erfindung Pate. Sie hat in Strömungsrichtung
mikroskopisch kleine Rillen, die die Reibung verringern. Forscher
entwickelten eine künstliche Haifischhaut, um Boote schneller zu machen
und um bei Flugzeugen Treibstoff zu sparen. • Lehrmeister
sind auch die Termiten. Ihre oft meterhohen Behausungen sind von Stollen
und Schächten durchzogen. Egal, wie kalt oder heiß es draußen ist, in
Termitenbauten herrschen konstant 25 bis 30 Grad Celsius und rund 90
Prozent Luftfeuchtigkeit. 1996 errichtete man in der Hauptstadt Simbabwes
Harare einen Einkaufs- und Bürokomplex mit Belüftungsschächten nach dem
Vorbild der Termitenhügel: Kühle Luft wird aus dem Innenhof ins Gebäude
gesogen, warme Luft über Schornsteine nach außen geleitet. Das spart teure
Klimaanlagen.
Dies sind nur einige der zahlreichen Beispiele, die
zeigen, wie vielfältig Baupläne der Natur sind und welche Vorteile sich
der Mensch davon erhofft. Doch der entscheidende Vorteil ist die Abkehr
von den heutigen extensiven Verfahrensweisen. Denn hier sei nochmals Prof.
Dr. Werner Nachtigall zitiert: Dem so uneleganten Prinzip der
Ressourcenentnahme und Abfallanhäufung hat die Natur das Prinzip der
totalen Rezyklierung gegenüber gesetzt. Dem technischen Prinzip der
Energieerzeugung unter Abfallanhäufung und Umweltzerstörung steht das
Naturprinzip der zerstörungsfreien totalen Sonnenenergienutzung gegenüber:
Lernen von der Natur, wie man Abfälle vermeidet, wie man die Sonnenenergie
nutzt und komplexe Systeme managen kann: diese drei Komplexe der
Verfahrensbionik enthalten den Schlüssel für das Überleben.
Es sind
gleichzeitig die drei größten Herausforderungen, denen sich die Menschheit
jemals gegenüber gesehen hat. Sie anzugehen, umzusetzen und letztendlich
einzubauen in eine Technologie, die unserer derzeitigen Steinzeittechnik
eine bionisch orientierte Höchsttechnologie entgegensetzt. Dies wäre von
entscheidender Wichtigkeit.
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