Hechtschleim wird auf einen technischen Strömungskörper übertragen
Hechtschleim
Der Widerstand eines im Wasser bewegten Körpers läßt sich durch Zugabe sogenannter Additive beträchtlich
herabsetzen. Nach eigenen Versuchen genügen bereits 1 bis 2 Millionstel Gewichtsanteile eines Additivs, um
den Strömungswiderstand eines torpedoförmigen Versuchskörpers im Wasser um 30 % zu reduzieren.
Widerstandsvermindernde Additive sind langkettige Moleküle und mikroskopisch kleine Fasern, in denen sich
kleinste Strömungswirbel verfangen. Die biologische Evolution hat turbulenzdämpfende Makromoleküle
schon vor Urzeiten entwickelt. Denn Fischschleim besitzt nahezu die gleichen strömungsphysikalischen
Eigenschaften wie ein technisches Additiv. Allerdings kann der Fisch nicht nach Art der Additivtechnik
seinen Lebensraum mit Schleimmolekülen anreichern.
Zur Messung des Strömungswiderstands wird der Versuchskörper in ein Fallrohr eingebracht
Es bleiben die zwei Möglichkeiten offen:
Der Fisch sondert laufend Schleim ab und hüllt sich so in eine Additiv-Wolke ein.
Die Fadenmoleküle des Fischschleims haften auf der Oberfläche und bilden so ein wirbeldämpfendes "Molekülfell".
Vom Standpunkt der Energieerspamis wäre eine Oberflächen-Hafttechnik günstiger. Denn Schleim ist eine
organische Substanz, die im Organismus unter Verbrauch von Stoffwechselenergie synthetisiert werden muß.
Wirbeldämpfung in einem Flüssigkeitsstrahl durch Polyäthylenoxid. Polyox-Konzentrationen: Links 0 ppm, Mitte 10 ppm, rechts 30 ppm
Die Adhäsionseigenschaft von Fischschleim läßt sich
durch folgenden Versuch prüfen: Ein torpedoförmiger Strömungskörper wird unter Wasser vorsichtig am
Körper eines Aals, einer Schleie oder eines Hechts entlanggerieben. Durch Fallversuche in einem 3 m
hohen wassergefüllten Plexiglasrohr wird anschließend der Widerstand des Körpers gemessen. Ergebnis: Eine
anfängliche Widerstandsverminderung von maximal 30 % verliert sich nach etwa 20 Fallversuchen. Der
Schleim wird abgewaschen, wenn auch langsamer als
eine zum Vergleich aufgebrachte Schicht eines technischen Additivs, z.B. von Polyäthylenoxid. Der auf
die technische Oberfläche übertragene Fischschleim
besitzt nicht die Konsistenz einer natürlichen Fischschleimschicht, die sich nur mit Mühe entfernen läßt.
Eine Oberflächenschicht, die eine entfernte Ähnlichkeit mit einer Fischschleimschicht aufweist, ergibt sich
durch folgende Prozedur: Der Versuchskörper wird
zuerst mit Jodtinktur bestrichen. Danach wird Polyäthylenoxid aufgetragen, das auf der vorbehandelten
Oberfläche sofort zu einem Gelee erstarrt. Mit einem derart präparierten Strömungskörper können bis zu
30 Fallversuche mit deutlich vermindertem Widerstand
durchgeführt werden. Auch danach fühlt sich der Körper noch schleimig an. Das könnte heißen, daß die
Polyäthylenoxid-Moleküle lediglich von der Oberfläche abgerissen wurden, weshalb für die Zukunft Versuche
mit zerreißfesteren Fadenmolekülen - dazu gehört auch Fischschleim - geplant sind.
Die bisherigen Resultate sind bescheiden. Doch spricht nichts dagegen, daß es einmal gelingt, ein widerstandsverminderndes Gel nach dem Vorbild der Fische zu entwickeln.